Minimalismus in der Familie, geht das? – ein Intro

Ich habe meinen 4 – Jährigen vor ein paar Tagen gefragt, was er sich zu Weihnachten wünscht. Nach langem Überlegen sagt er „Weiß ich nicht“.
Mein Sohn bekommt eine Steilvorlage und hätte so ziemlich alles sagen können. Dass er das sagte überraschte mich und machte mich gleichzeitig sehr nachdenklich.
Nun kann ich sagen: Ich finde das gut! Dass er es nicht weiß.
Wenn man anfängt, sich mit der Herkunft und der Nachhaltigkeit seines Essens auseinander zu setzen, gehen fast automatisch noch weitere Türen auf. Zumindest bei uns ist das so. Es betrifft weitesgehend sämtliche Konsumgüter und man belegt alles mit der Frage: Brauchen wir das alles wirklich? Macht uns das glücklicher und zufriedener?
Angefangen bei Kleidung, Autos, Fernsehen, Kosmetik, Spielsachen bis hin zum Medienkonsum, Elektronik und Genussmittel.
Für mich fing es im Sommer an. Ich schaute in meinen Kleiderschrank und die Fülle an Kleidern, Farben, Schuhen und Accessoires schnürten mit förmlich die Kehle zu. Da starrten mich Sachen an, die teilweise neu, mit Schildchen geziert, unangetastet im Schrank hingen. Das war der Startschuss für einen allumfassenden Ausmist-Marathon, der noch bis heute anhält.
Ich habe in 3 Etappen etwa 2/3 meines Kleiderschrankes entmüllt. Teilweise weggeworfen, gespendet oder verkauft. Das Gleiche mit meinen Schuhen.
In einem kurzen Moment der Ruhe versuchte ich in mich zu gehen und zu ergründen, was da gerade passiert. Warum kann ich die Fülle an Dingen, die ich über die Zeit angesammelt, vermeintlich „gebraucht“ und auch geliebt habe, plötzlich nicht mehr ertragen.
Ich schloss meine Gedanken mit der Erkenntnis, dass ich ein Stück weit aussteigen möchte. Aus diesem ganzen Konsumwahnsinn, für den wir alle arbeiten gehen, an dem wir täglich bewusst und oft auch unbewusst teilnehmen.
Ich möchte einen Schritt zurück gehen und vielleicht auch bewusst auf bestimmte Sachen verzichten. Allein der Gedanke daran gab mir ein wohliges Gefühl der Freiheit.
Um dem Kind einen Namen zu geben, wählte ich den Begriff des sogenannten „Minimalismus“. Nun ist das ein sehr weit gefasster Begriff und jeder versteht wohl etwas anderes darunter. Von einem Leben mit wirklich nur den allernötigsten Dingen (z.B. nur einen Teller pro Person etc.) bis hin zu rein ästhetischen Minimalisten, ist die Spannweite sehr groß.
Und eigentlich ist der Begriff ja auch egal, denn es geht in erster Linie darum zu beschreiben, was es für uns bedeutet.
Wir befinden uns derzeit noch mitten in dem Prozess unser Leben minimalistischer zu gestalten. Überhaupt ist das etwas, was Zeit braucht. Man fängt z.B. an einer Stelle an Dinge auszusortieren. Und Schritt für Schritt nimmt man sich immer ein neues kleines „Projekt“ vor, um dann wieder von vorne anzufangen. In jeder „Runde“ fällt es einem leichter Dinge wegzuräumen.
Grob zusammen gefasst würde ich uns zum einen als ästhetische Minimalisten, zum anderen als Konsumminimalisten beschreiben.

Ästhetischer Minimalismus

Wenn Freunde oder Familie dieser Tage in unser Wohnzimmer kommen, kommt irgendwann immer die gleiche Frage: Wo sind denn eure Bilder an der Wand hin?
Wir sind schon immer große Befürworter spärlich eingerichteter Wohnräume. Wir haben z.B. noch nie einen Wohnzimmertisch besessen und auch sonst findet man in unserem Aufenthaltsräumen eher wenige Möbel. Von Deko habe ich auch noch nie viel gehalten. In sofern steckt so ein gewisser Minimalismus schon immer irgendwie in mir. Mein Mann ist da noch extremer. Als Archtitekt bevorzugt er schon immer klare Linien, wenig Möbel, die alle eine Funktion haben müssen.
Auch was die Farben in den Wohnräumen betrifft.
Aber dennoch sehnte ich mich nach noch mehr Raum, Freiheit für mein Auge. Ich räumte also fast alles weg, was da irgendwie „sinnlos“ rumstand. Im Wohnzimmer gibt es nun nur noch ein Foto (abstrakte minimalistische Kunst) und zwei Kerzenständer als „Deko“. Auch das übervolle Bücherregal fiel meiner Ausmistlaune zum Opfer.
Im Moment stecke ich noch in der Ausmistphase, möchte aber auch nicht ausschließen, dass irgendwann wieder wenige Bilder an die Wand kommen. Aber im Moment, sozusagen in der Findungsphase, muss erstmal alles weg.

Konsumminimalismus

Wie ich eingangs bereits beschrieben habe, scheint mein Sohn recht unbefleckt zu sein, was sein Konsumverhalten betrifft. Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich wohl die härteste Nuss in unserer Familie bin, die sich den Konsum regelrecht abgewöhnen muss.
Die Initialzündung war das Ausmisten meines Kleiderschrankes. Und ich gebe zu, es fällt mir noch sehr schwer, nicht wieder nachzukaufen. Hier zeichnet sich zumindest bei mir ein echter Verzicht – oder besser Entzug – ab.
Trotzdem schaffe ich es, nicht zu kaufen, wenn es nicht wirklich nötig ist. Einfach ist das nicht und fordert meine volle Aufmerksamkeit und das Fokussieren auf das große Ziel, irgendwann frei zu sein.
Wenn ihr mögt, nehme ich euch gerne mit in das Land der Freiheit.

4 Comments

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  1. Da bin ich auch schon eine Weile dran.Bei den vielen Umzuegen die ich schon hinter mir habe, merkt man immer wie sich so vieles ansammelt und oft kaum gebraucht,Kleider und Kuechenhelfer sind da meine groessten Suenden gewesen.Minimalismus ist machbar.

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    • Das glaube ich dir aufs Wort! Wer so schnell seine „Zelte“ abbauen kann wie die du verdient zurecht den Titel „Minimalist“. Habe deine letzte Reise auf Facebook verfolgt! Alles liebe Dir Gypsy Queen

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  2. Echt toller Beitrag! Du sprichst mir aus der Seele 🙂
    Dieses Jahr war das erste Jahr ohne Weihnachtsdeko. Ich habe mich gut gefühlt, musste aber von meinen Besuchern ein paar „merkwürdige“ Blicke einstecken.
    Ich finde, wenn ich weniger Deko in den Zimmern habe, fühle ich mich nicht so gestresst. Es hat dann einfach alles seine Ordnung und ich bin beruhigt!

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  3. Danke liebe prettyhealthyweb!
    Tatsächlich war die Weihnachtsdeko bei uns die einzige Deko dieses Jahr. Mein Sohn findet sie einfach herrlich und das möchte ich ihm natürlich nicht nehmen, auch wenn ich gerne drauf verzichtet hätte.
    Mir reichen zu Weihnachten Kerzen.
    Willkommen auf meiner Seite und danke für deinen Beitrag.

    Liebste Grüße Stephi

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