Geschwisterliebe // Sie küssen und sie schlagen sich – Geschwister sind das Größte!

Liebe werdende Zweitmama, Geschwister sind das Tollste für ein Kind auch wenn es manchmal lange dauert, das zu erkennen. Du hast eine richtige Entscheidung getroffen!

Wir alle haben das romantische Bild vor Augen, dass sich die großen Geschwister beim Anblick ihrer kleinen Geschwister sofort verlieben und genauso dankbar über die Ankunft der „Neuen“ sind wie die Eltern. Das gibt es sicher auch – aber es kann auch ganz anders laufen:

Was ist das?

Als am Abend des 25. Mai 2015 die Wehen zur Geburt des Kleinen einsetzten, schlich ich in unser Schlafzimmer und stibitzte mir ein Küsschen meines Großen. Ich verabschiedete mich von ihm, er schlief ruhig und selig. Ich verabschiedete mich aber auch von ihm und uns als zweisames Mama-Kind-Paar, verabschiedete mich von seinem Einzelkinddasein. Mit Wehmut und Tränen…. Das gebe ich zu.

Seine Oma kuschelte sich dann zu ihm und ich wusste, er ist in besten Händen.
Unter der Geburt dachte ich sehr sehr oft an meinen Großen, der ja selber noch so furchtbar klein war.

Als ich ihn dann – leider erst – zwei Tage später im Krankenhaus wieder sah, war er gefühlt 2 m gewachsen. Noch nie kam mir mein erstes Baby so unfassbar groß und erwachsen vor. Aber im Vergleich zu dem kleinen Bündel, das in meiner Armbeuge lag, war er ein Riese.

Er schaute sehr scheu, zaghaft und schüchtern. Er biss sich auf die Lippe, als er seinen Bruder das erste Mal sah. Er hielt ihn vorsichtig, wollte ihn dann aber ganz schnell wieder abgeben. Er war ihm nicht geheuer, so viel war sicher, das konnte man sehen und – ganz besonders ich – fühlen.
Ich habe diese Situation kaum aushalten können, denn es tat mir unfassbar weh, seine Unsicherheit – seine Angst zu sehen. Vor allem aber war er mir gegenüber sehr distanziert, was mir schier das Herz brach.

Ich sollte erst zwei Tage später entlassen werden. Mein Mann fuhr an diesem Abend dann schon nach Hause, um sich um den Großen zu kümmern.
Am nächsten Tag erreichte mich die Nachricht, dass er fast 40 Fieber hatte. Sonst fehlte ihm nichts. Ich bin mir sicher, dass das bei ihm psychosomatisch war. Sein Körper reagierte auf die Trennung von mir und auf seine Ängste. Sonst zeigte er keine weiteren Symptome. Wieder brach es mir das Herz. Jeder, der schon mal das Gefühlschaos nach einer Geburt empfunden hat, kann sich sicher in mich hinein fühlen.

Der soll weg!

Als wir zu Hause ankamen, war von romantischer Geschwisterliebe keine Spur. Nachdem der Große seine Unsicherheit überwunden hatte schwankte seine Eifersucht in Aggressivität um. Wann immer es ging, versuchte er seinem kleinen Bruder weh zu tun. Während ich stille bewarf er uns mit Geschirr, er schrie, haute, ging buchstäblich die Wände hoch.
Und ich war immer hin und her gerissen zwischen Wut, Sorge um den Kleinen und absoluter Trauer. Was habe ich meinem Kind angetan, als ich dieses Zweite in die Welt gesetzt habe. Was? Es ist furchtbar gewesen. Dazu kam natürlich noch der obligatorische Babyblues. Mein Mann war hier die größte Unterstützung. Er kümmerte sich sehr liebevoll um den Großen oder den Kleinen, wenn ich den Großen betreute. Aber auch er war manchmal hilflos und zweifelte.

Sie küssen und sie schlagen sich – gut so!

Zeitsprung: Zwei Jahre später werde ich Zeuge, wie meine zwei Jungs Hand in Hand durch ihre Welt stapfen und zwar wirklich wörtlich: Wann immer wir irgendwo hingehen, nimmt der Große den Kleinen an die Hand, küsst diese und sie stapfen los.

Der Kleine vergöttert den Großen und der Große liebt den Kleinen über alles. Sie teilen, spielen, sitzen gemeinsam im Zimmer und der Große zeigt dem Kleinen seine Welt. Sie kloppen sich und toben hier durchs Haus, dass ich oft die Luft anhalte. Sie lieben sich, sie brauchen sich, sie schmieden Pläne, verbünden und hintergehen sich.  Ich bin unendlich froh, dass sie sich haben. Auch vor dem Hintergrund der Ankunft des neuen Babys. Ich weiß, dass die beiden sich haben und hoffe, dass sie das zusammen meistern, in dem sie sich auch gegenseitig unterstützen. Und wenn sie das Kleinste erstmal doof finden weiß ich, dass auch das vorüber gehen wird.

Mein geliebter kleiner Bruder!

Und dann denke ich manchmal wie es war, als ich von meinem Einzelkinddasein erlöst wurde. Und ich muss sagen, dass ich recht prompt in meinen kleinen Bruder verliebt war. Aber: ich war auch schon 6 und ein Mädchen (Sorry aber ich glaube an Genderunterschiede in Geschwisterbeziehungen und glaube auch, dass zwei Jungs roher miteinander umgehen als ein Pärchen oder zwei Mädchen).

Geschwister2

Und ich erinnerte mich daran, wie viel Zeit ich mit meinem Bruder verbracht habe. Wie wir miteinander spielten, stritten uns aber immer sehr nah waren, trotz des großen Altersunterschieds. Und dann überlege ich, wie es heute ist. Wir sehen uns nicht oft, leben sehr unterschiedliche Leben. Auch eine gewisse räumliche Distanz sorgt dafür. Aber wir waren und sind immer füreinander da, besonders, wenn irgendwas gründlich schief läuft. Und es gab einige solcher Tiefs. Wir haben zusammen gelacht, geweint, uns getröstet, motiviert und wieder gerade gerückt.

Und das führt dazu, dass ich heute „Danke“ sagen möchte. Danke an meine Mama.
Danke, dass du mir meinen Bruder geschenkt hast!

Ich hoffe sehr, dass meine Kinder das irgendwann auch mal sagen. Oder zumindest denken, das würde mir schon reichen.

Habt einen wundervollen Tag und trefft großartige Entscheidungen!

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