Leben am Limit // Wo bleibt mein f***ing Nobelpreis?

Leben am Limit

Es war der letzte warme, hochsommerliche Tag in diesem Jahr. Mitte September etwa.
Und so begab es sich, dass ich die letzten Sommer-Sonnenstrahlen mit meinen drei Kindern genießen wollte. Nirgends geht das natürlich so gut wie im Freibad, also packte ich mutig alles Utensil in meinen Rollkoffer (Ja – tatsächlich so eine Oversize-Reisetasche mit Trolleyfunktion), dazu noch Kühltasche, Schwimmflügel für zwei der drei und eine Tasche mit Wasserspielzeug und machte mich auf den Weg…

… Hinunter ins Erdgeschoss, um den Kindern die Schuhe anzuziehen oder ihnen zumindest ans Herz zu legen, dass es sinnvoll ist, welche zu tragen (wegen der Bienen und so). Wie viele Kinder letztlich wirklich Schuhe anhatten, weiß ich nicht mehr. Ich packte vorsichtshalber drei Paar Badeschuhe ein.

Mein Handy meldete sich und nachdem ich es aus den Abgründen irgendeiner Tasche heraus gekramt habe, verpasste ich den Anruf meiner Freundin, mit der ich zum gemeinsamen Schwimmbadbesuch verabredet war, nur ganz knapp. Während ein Kind die Tür öffnete und alle andern hinterher rannten, erreichte ich meine Freundin dann doch. Sie teilte mir mit, dass ihr Auto in der Werkstatt sei und dass sie leider nicht mitkommen könne.
Ich bot ihr mein Auto an und organisierte das Auto meiner Schwiegereltern. Eine dreiviertel Stunde und sechs umgebaute Kindersitze später, machten wir uns auf den Weg….

… an die Bushaltestelle des Nachbarortes, denn dort sollte ich nach wildem Lichthupen aufleuchten und Gefuchtel im Wagen hinter mir (also mein Auto mit meiner Freundin und ihren drei Sprösslingen) anhalten. Sie hatte ihren Geldbeutel vergessen. Wer sie kennt, weiß, dass das hin und wieder mal vorkommen kann. Ich hatte vorgesorgt und genug Bares für acht Personen dabei.
Also machten wir uns nun tatsächlich auf den Weg…

… auf den Parkplatz des Freibades. Nachdem wir die zwei Kleinsten der sechs uns irgendwo an den Körper gebunden, vor allem um sie an Ort und Stelle zu fixieren, und die acht Taschen auf die übrigen vier Kindern und uns verteilt hatten, war das nächste Hindernis die Kasse.

Die Frau am Tresen war mit der Anzahl der Kinder mit der überschaubaren Anzahl an dazugehörigen Erwachsenen sichtlich überfordert. Zu ihrem Glück mussten wir ja sowieso alles zusammen zahlen (ich erinnere an den vergessenen Geldbeutel) und so erhielten wir dann endlich Zutritt zum städtischen Freibad. Als wir um die erste Hausecke kamen, starrten uns etwa 30 Augen an. Dazwischen eine weitere Freundin, die uns erwartet hat und die uns mit den liebevollen Worten „Man hat euch schon gehört seit ihr auf den Parkplatz gefahren seid“, begrüßte.

Unsere Kinderparade und wir bahnten uns den Weg zur Liegewiese wo wir unser Lager aufschlugen.
Die Kleine rannte derweil schon mal zu einer anderen Familie, während ich Kind eins davon abhalten musste, ohne Badehose in das Becken zu springen. Kind zwei hatte sowieso erstmal Hunger, was mir ganz gut in den Kram passte. Ruhig gestellt mit einer Stulle hockte der Vierjährige auf dem Handtuch und ich konnte dem Großen helfen, sich seine Badehose anzuziehen (Randnotiz: ich vermute es liegt an der Geburtenfolge, aber ich habe schon oft beobachtet, dass sich die Erstgeborenen gerne viel länger helfen lassen, als die folgenden Geschwisterkinder).

Den Teil mit den wilden Schulkindern im Babybecken, dem hysterisch protestierenden 1,5 Jährigen, das seine Rabenmutter nicht auf den Dreimeterturm klettern ließ und die Episode als der langhaarige Vierjährige auf die Wasserhupfbürg wollte, als Jungenverbot war (die Teenagerjungs waren so wild, dass der Bademeister eine halbe Stunde lang nur Mädchen auf der Burg zugelassen hatte), ich ihm sagte er könne ruhig, weil das fällt wegen den Haaren nicht auf, er aber immer drauf bestanden hat, dass er ein Junge ist und nicht drauf darf, aber unbedingt wollte und das unfair sei, kürze ich an dieser Stelle einmal ab.

Ein Highlight war noch als der Große Hunger zum nicht mehr aushalten hatte und von selbst nicht auf Idee kam was man dagegen tun kann, just zu dem Zeitpunkt, als der Mittlere ganz dringend Pipi musste, was man dann hysterisch schreiend und Zähne klappernd kund tun musste. Man hatte noch die Schwimmflügel an und die mussten aus. Aber es war so dringend. Leider ging parallel die Kleine mit Eis in der Hand stiften in Richtung Wasserbecken, was mich dazu hinreißen ließ, den Mittleren an einen Baum (weit weit weg von Menschen auf der Liegewiese) pinkeln zu lassen. Während ich die Kleine aus den Augen verloren hatte, lief ich panisch Richtung Becken, als ich sie in weiter Ferne bei einer fremdem Familie (diesmal eine andere als am Anfang) sich aus den Tupperbüchsen bedienen sah. Das Kopfnicken der mir völlig fremden Mutter signalisierte, dass ich zwei Minuten Zeit hatte, um „in Ruhe“ den Rest meiner Zöglinge zu versorgen.

Das war dann auch der besagte Moment, dem dieser Beitrag hier seinen Namen verdankt. Augenrollend fragte ich meine Freundin: „Wo ist eigentlich unser f***cking Nobelpreis?“

Irgendwie haben wir es zumindest geschafft einen Kaffee zu trinken und Pommes für alle zu kaufen. Und Eis. Und kein Kind hat sich lebensbedrohlich verletzt. Es war nichtmal knapp.
Penibel darauf achtend, dass alle Kinder immer trockene Badesachen nebst Bademäntelchen anhatten, blieben wir natürlich in unseren nassen Bikinihosen sitzen. Mit der Konsequenz, dass wir uns beide (Tatsache!) eine behandlungswürdige Blasenentzüdnung einfingen.

Einen Nobelpreis haben wir nicht bekommen. So wie du, die du das hier liest, vermutlich auch noch nicht.

Aber das hier geht von Herzen an dich:

Wenn du gerade eine Stunde lang dein Baby in den Schlaf gestillt oder getragen oder abwechselnd beides getan hast.
Wenn du es geschafft hast, eine einigermaßen nahrhafte Mahlzeit auf den Tisch zu bringen.
Wenn deine Kinder und du Kleider am Leib haben, die einigermaßen den Witterungsbedingungen angepasst sind (müssen nicht sauber sein).
Wenn du zum dröflsten Mal einen Becherturm wieder aufgebaut hast.
Wenn du dein krankes Kind gepflegt hast und es dir egal war, welche Körperausscheidungen an deinem T-Shirt kleben.
Wenn du dich wie ein lebendiges Mikadostäbchen aus dem Bett meandriert hast, damit dein Kind nicht zum xten Mal wieder aufwacht.
Wenn du nach einer anstrengenden Geburt, dein Baby in den Armen hältst.
Wenn du gerade extrem aus deiner Komfortzone heraus gekommen bist und deinem Kind erklärt hast, warum man zum Babys machen einen Papa braucht.
Wenn du dich zum hundertsten Mal dafür rechtfertigt hast, warum du bestimmte Dinge anders machst, als man sie früher getan hat.
Wenn du immer wieder über dich selbst hinauswächst, um die beste Mama für dein Kind zu sein.
Wenn du der Mama an der Kasse neben dir, die versucht ihr schreiendes und sich auf den Boden werfendes Kind zu beruhigen, einen liebevollen „Ich kenn’s, alles wird gut“-Blick zu geworfen hast.
Wenn du was auch immer für eine Kleinigkeit gemacht hast, die du jeden Tag machst, immer und immer wieder.

Das hier geht an euch alle, die ihr mutig jeden Tag eure Frau steht in dem Alltagswahnsinn den man Familienleben nennt.
Mama sein ist der schönste Job, aber auch der härteste. Anerkennung gibt es wenig – du gibst sie dir selbst oft nicht.
Aber ich sehe dich! Ich erkenne an, was du jeden Tag und jede Nacht leistest. In jeder Minute deines Lebens als Mama!

Wann immer du ein bisschen Anerkennung haben möchtest, dann lies es dir durch. Immer und immer wieder. Denn es ist wahr!

Du bist ein verdammter Superheld.

Von Herzen
unterschrift

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