Geburt // Vorbereitung mit Hypnobirthing

Das Bild zeigt mich in meiner Schwangerschaft mit dem Großen 2012

Eine neue Chance auf eine selbstbestimmte Geburt

So ziemlich der erste Gedanke nach dem ich diesen Test mit der Aufschrift „schwanger“ (nicht fehl zu deuten) in den Händen hielt, galt der bevorstehenden Geburt. Zumindest einer der ersten Gedanken nachdem ich den Schreck verdaut hatte und ich mich mehrfach zwicken musste.
Dazu muss ich sagen, dass ich mit zwei Geburten ja schon überdurchschnittlich geburtserfahren bin. Dazu noch zwei Fehlgeburten.
Beide Geburten hätten unterschiedlicher nicht laufen können, was sie aber gemeinsam hatten war eine Verkettung von unterschiedlichen, mehr oder weniger sinnvollen, medizinischen Interventionen.

Triggerwarnung: Wenn du kurz vor einer Geburt stehst und/oder du (generell) negativ auf Geburtsberichte reagierst, solltest du diesen Bereich nun überspringen und ab der Überschrift „ Und jetzt? Wie soll die nächste Geburt laufen? Was stell ich mir vor, was will ich auf keinen Fall?“ weiterlesen.

Zwei Geburten, ganz unterschiedliche Erfahrungen

Bei der Geburt des Großen stellten sich nach einem vorzeitigen Blasensprung zunächst keine Wehen ein. Die Folge war eine Einleitung mit Tabletten, Wehensturm, PDA, Spontangeburt mit infiziertem Kind, das leider in eine andere Klinik verlegt werden musste.
Dennoch hatte ich bei dieser Geburt immer irgendwie das Gefühl involviert gewesen zu sein, Entscheidungen getroffen zu haben und respektiert worden zu sein. Im Endeffekt war ich im Reinen mit der Geburt, auch wenn der Start mit dem Große durch die Trennung sehr schwierig war, vor allem was das Stillen betrifft.

Die zweite Geburt startete 10 Tage über Geburtstermin von alleine. Die Vorzeichen waren suboptimal, denn zum einen drehte sich der Kleine noch am Tag seiner Geburt von Beckenendlage (BEL) zu Schädellage und wieder zurück. Das machte er schon seit den letzten Wochen und wir wählten deshalb eine Geburtsklinik, die auf spontane BEL Geburten spezialisiert ist. Leider mussten wir mindestens eine Stunde Fahrtzeit einplanen, was mich nicht ganz so entspannt an die Sache rangehen ließ.
Zum anderen wusste ich schon, dass mein Darm von der Endometriose befallen war, was eine geringe Möglichkeit der Ruptur unter der Geburt implizierte. Die Ärzte in der Klinik waren sich aber einig, dass es eine verschwindend geringe Gefahr darstellte und dass ich guten Gewissens spontan gebären könnte. Einzig mein Operateur riet mir von einer spontanen Geburt ab und empfahl einen primären Kaiserschnitt.

Nachdem die Geburt also von alleine mit kräftigen Wehen zu Hause im 4 Minuten Takt losging, stellte sich in der Klinik dann ein anderes Bild ein. Mit dem Moment, in dem ich diese Klinik betrat waren die Wehen weg. Es dauerte ewig. Bewegte sich nicht. Ich forderte irgendwann eine PDA, die leider nicht richtig saß und ab dann wurde es für mich unerträglich.

Das ist auch der Teil, mit dem ich noch immer zu kämpfen habe, denn bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich immer das Gefühl die Geburt selbst zu bestimmten. Ab dann habe ich die Kontrolle verloren und sah mich ausgeliefert. Mir wurde ohne plausible Erklärung und ohne meine Zustimmung ein Wehentropf angehängt, als ich darum bettelte einen Kaiserschnitt zu bekommen musste ich ewig auf einen Wehenhemmer warten. Ich lag zu dieser Zeit 26 Stunden in den Wehen und hatte seit 38 Stunden nicht geschlafen. Ich kam mit diesen künstlichen Wehen überhaupt nicht klar. Bis zuletzt war nicht klar, ob ich nicht doch eine Vollnarkose für den Kaiserschnitt nötig wäre, da die PDA in meinem Oberkörper wirkte. Aber sie spritzten sie doch irgendwie hoch und so durfte mein Mann mit in den OP. Leider war ich nun, abgesehen von meinem Kopf, komplett taub. Ich hatte weder in den Armen noch in der Brust Gefühl. Ich war komplett taub, obwohl ich natürlich alles bewegen konnte, aber ich fühlte nichts.

Nach der Geburt war alles gut. Ich hatte ein kerngesundes Bündel im Arm, das mit Hilfe unserer Geburtsbegleiterin kräftig an meiner Brust saugte (Ich konnte ihn selbst weder halten noch anlegen, weil einfach alles taub war, aber das war mir dann egal). Das Stillen funktionierte bekanntermaßen hervorragend und ich hatte überhaupt keine Probleme mit Schmerzen nach dem Kaiserschnitt. Bereits am zweiten Tag post OP war ich komplett ohne Schmerzmittel und durfte am dritten Tag die Klinik putz munter verlassen.
Wie gesagt, unterschiedlicher hätten die Geburten kaum sein können.

Und jetzt? Wie soll die nächste Geburt laufen? Was stell ich mir vor, was will ich auf keinen Fall?

In erster Linie finde ich wichtig, dass einem als Frau bewusst ist, dass es der eigene Körper ist, um den es hier geht. Und egal an welchem Ort die Frau ihr Kind gebärt, hat sie ein uneingeschränktes Bestimmungsrecht über sich und ihren Körper, über diese Geburt. Punkt! 
Es ist für mich mit meiner Geburtserfahrung zugegeben leichter, dieses Recht in Anspruch zu nehmen. Man weiß, was auf einen zukommt, was der Körper zu leisten im Stande ist und man hat sich zweimal mehr mit der ganzen Thematik auseinander gesetzt.
Aber auch als Erstgebärende sollte man das wissen. Man sollte vertrauen in den eigenen Körper haben und die Geburt als das Natürliche annehmen, das es ist.
Ich würde ganz naiv behaupten, dass es vielleicht für eine Erstgebärende leichter ist, sich diesem natürlichen Ereignis mit Urvertrauen in ihren Körper hinzugeben, als für eine Frau, die teilweise negative Erfahrungen damit verbindet.
Und zu solchen Frauen zähle ich mich nach der zweiten Geburt.

Spätestens danach redete man und redete ich mir selbst ein, an einer Wehenschwäche zu leiden. Mein Körper kann alleine keine Wehen produzieren. Ich brauche die medizinische Intervention, um überhaupt ein Kind zu bekommen.

Aber ist das wirklich so, oder bin ich vielleicht eher besonders sensibel und störanfällig?

Exkurs Hochsensibilität

Schon lange beschäftige ich mich mit der Thematik der sog. Hochsensibilität. Ich nehme schon seit Jahren war, dass ich sensibler auf Reize reagiere als mein Umfeld. Angefangen bei der Misophonie im Bezug auf Essgeräusche, über das Fühlen von Emotionen der Menschen in meiner Umgebung und dessen Einfluss auf meine eigene Gefühlswelt, bis hin zu dem Hang zum Perfektionismus, erfülle ich noch sehr viele weitere Kriterien der Hochsensibilität.
Und dabei ist es Fluch und Segen zugleich. Ich kann mich dadurch extrem gut in andere Menschen einfühlen und sie dadurch gut begleiten, muss gleichzeitig aber lernen, mich selbst emotional abzugrenzen.

Ich reagiere extrem empfindlich auf Stress, brauche aber gleichzeitig Reize, um mich selbst zu fordern und zu fördern – ein sehr schmaler Grat.
Im Rahmen meiner Recherchen stellte ich fest, dass für Hochsensible die Geburtsumgebung sehr wichtig ist und entscheidend dazu beiträgt, wie die Geburt verläuft. Hochsensible sind darauf angewiesen in einer Umgebung zu gebären, in der sie sich wohl fühlen, die positive Reize enthält und in denen sie möglichst wenig gestört werden.

Hypnobirthing – Ein Weg für mich?

Eine Freundin erzählte mir von ihrer Geburtserfahrung mit Hypnobirthing. Als ich den Begriff zum ersten Mal hörte, klang er für mich sehr esoterisch. Nicht dass ich das komplett ablehne, aber eine gewisse „Wahrhaftigkeit“ oder „Belegbarkeit“ ist mir wichtig. Auch wenn ich mich als grundsätzlich spirituell einschätze.
Im Grunde geht es beim Hypnobirthing darum, sich selbst durch Atmung und gezielte (körperliche und mentale) Entspannung in eine Art Trancezustand zu bringen. Das so etwas grundsätzlich funktioniert, ist belegt und in anderen Kulturen gängige Praxis. Ich konnte mir das nur nicht unter einer Geburt vorstellen.
Also las ich mich in die Thematik ein und buchte einen Kurs. Schon beim Lesen der ersten Seiten fand ich mich wieder. Was ist für eine Gebärende unter der Geburt wichtig? Sie muss sich sicher, geborgen fühlen. Sie braucht Zeit. Sie muss die Möglichkeit haben, sich zu entspannen. Sie sollte möglichst ungestört sein und ihrem Körper vertrauen können.
Diese wichtigen Voraussetzungen lagen bei meinen bisherigen Geburten nicht (immer) vor. Der beste Indikator für mich: Zu Hause tolle, kräftige Wehen im 4 Minuten Abstand, die sogar im Auto noch kräftig und regelmäßig waren.
In der Klinik – schwupps – weg.

Ich habe mich aus diesem Grund auch informiert, ob eine außerklinische Geburt möglich ist. Aber nach einem Kaiserschnitt lehnen die meisten Geburtshäuser die Geburtsbetreuung ab.

Ich musste also einen Weg finden, mir meinen eigenen „Raum zum Gebären“ zu schaffen, den ich quasi mitnehmen kann. In den ich mich zurückziehen kann, egal wo ich bin und egal was um mich herum passiert. Und Zugang zu diesem Raum verschafft mir Hypnobirthing.

Meine Praxis

Täglich: In meiner täglichen Routine übe ich in erster Linie das kontrollierte Atmen. Hierbei werden beim HB drei Atemtechniken unterschieden. Zwei davon – die Ruheatmung und Wellenatmung – übe ich seit etwa 8 Wochen täglich. Die dritte Technik – die Geburtsatmung – soll erst in den letzten Schwangerschaftswochen geübt werden. Bei den Atemübungen merke ich schnell eine Verbesserung/Verlängerung durch das tägliche Training. Die Ruheatmung ist dazu da, in den Pausen zwischen den Wellen (Beim HB steht das Wort Welle für die „Wehe“, um die negative Assoziation „Schmerz“ zu umgehen) zur Ruhe und in eine tiefe Entspannung zu kommen. Die Wellenatmung ist dann die Atemtechnik, die während den Wellen angewendet wird. Alleine durch das Konzentrieren auf die eigene Atmung gelingt es vielen Frauen schon in eine Art Trancezustand zu kommen.

Wöchentlich: Entspannungen und Affirmationen
Mit Hilfe von Audios übe ich mehrmals die Woche die Tiefenenstpannung und auch die Affirmationen – also positive Gedanken zur bevorstehenden Geburt und das Vertrauen in meinen Körper und seine natürliche Gebärfähigkeit.
Seit etwa 3 Wochen übe ich verschiedene Entspannungstechniken mit meinem Mann. Zunächst möchten wir herausfinden, welche der Methoden für mich am besten funktionieren. Anschließend werden wir diese in der gemeinsamen Übung festigen. Dabei erhoffe ich mir, dass ich mich auf seine Stimme konditionieren kann, um dann unter Geburt von ihm geleitet in tiefere Entspannung gelangen zu können, falls dies nötig werden sollte. Er ist sozusagen mein Anker.

Schaffen einer Wohlfühlatmosphäre

Vor meiner ersten Geburtserfahrung sagte man mir, dass ich auch in einem dreckigen, gefliesten Raum gebären könnte, weil es mir dann sowieso egal wäre. Aber in meinem Fall stimmt das überhaupt nicht. Ich nehme die Umgebung auch unter stärksten Wellen war und es ist mir dabei nicht egal, wie es dort aussieht. Ich brauche das Gefühl von Geborgenheit. Deshalb werden wir nun verstärkt darauf achten, dass es im Kreißsaal nicht zu hell ist. Außerdem möchte ich mit verschiedenen Aromaölen arbeiten und evtl. auch eine entspannende Musik dabei haben. Ich liebäugele auch mit einer Wannengeburt, aber das lasse ich noch einmal offen. Beim Kleinen lag ich in der Wanne und fand das dann irgendwann zu warm und unangenehm. Das werden wir unter der Geburt sehen, wo es mich hinzieht.

Die Rolle des Geburtsbegleiters

Anders als bei einer konventionellen Geburt kommt dem Geburtsbegleiter bei HB – in meinem Fall mein Mann – eine aktive Rolle zu. Denn damit ich in meinem Raum bleiben kann, muss er die Kommunikation nach außen übernehmen und mit mir Techniken üben, die mich wieder in meinen Raum zurück bringen können, falls ich aus irgendwelchen Gründen rauskomme.

Dazu bedarf es im Vorfeld einiger Übung, Zeit und auch Planung, denn man muss ganz klar gemeinsam definieren, was man sich für diese Geburt wünscht. Das sollte man dann idealerweise in einem Planungsgespräch zuvor mit der Klinik erörtern. Dann gibt es unter der Geburt keine Missverständnisse. Denn leider sind nicht viele Kreißsaal-Hebammen mit der Methode von HB vertraut und ich habe mir sagen lassen, dass einige recht irritiert auf das Verhalten von Müttern in selbst herbeigeführter Trance reagieren.
Kommunikation ist hier also immens wichtig. und wir arbeiten auch schon an einem Geburtsplan, den dann mein Mann so verinnerlicht, dass er sich um dessen Umsetzung bemühen kann und ich mich dem Gebären zuwenden kann. Und sonst nichts.

Ein Kurs

Zur Unterstützung meiner Übungen buchten mein Mann und ich noch ein Einzelcoaching zu dieser Thematik. Das fand ich vor allem wertvoll, da mein Mann die Übungen mitmachen konnte und selbst erfahren konnte, wie effektiv so etwas sein kann. Auch hat er eine Vorstellung von seiner Rolle bekommen und Techniken praktisch geübt.
Ich kann also jedem, der mit dem Gedanken spielt HB anzuwenden, einen Kurs empfehlen, um noch sicherer in der Praxis zu werden und evtl. Techniken zu lernen/auszufiltern, die für einen selbst funktionieren.

Fazit

Ich kann natürlich noch keinen Bericht zur tatsächlichen Geburt liefern, aber schon feststellen, wie leicht es mir mittlerweile fällt, mich zu entspannen, bewusst und tief zu atmen. Ich freue mich auf diese Geburt, obwohl – oder vielleicht gerade weil – ich schon Geburtserfahrungen gemacht habe.
Und unsere wöchentlichen Übungseinheiten zum „Hippiebirthing“ – wie es mein Mann gerne nennt – lassen uns als Paar Kontakt zu diesem ungeborenen Baby aufnehmen, was bei einer dritten Schwangerschaft wirklich viel zu selten vorkommt. Und das ist es auf jeden schon mal Wert.
Ich halte euch auf dem Laufenden.

Habt einen wundervollen Tag und trefft großartige Entscheidungen!

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